Sven Albrechts Küchenbereich liegt am Tresen, sein einziger Kühlschrank hat Hausfrauengröße und der unterbaufähige Tiefkühlschrank scheint aus Studentenzeiten übrig geblieben. Wer zuschaut wie er unter diesen Umständen Forelle, Lamm oder Spanferkelrücken zubereitet, der kommt aus dem Staunen kaum heraus. Die regionalen Produkte sind das Rückrat, kleine exotische Akzente das gewisse Etwas der Albrecht-Arbeit. Er jongliert gern mit Gewürzen, Kräutern und anderen Produkten – beispielsweise Vadouvan, das indische Fermentgewürz mit Kardamom- und Maggi-Aromen, das der Ananas-Marmelade zur Ziegenkäse-Tarte zu aufregend ungewöhnlichem Geschmack verhilft. Oder Fette Henne (ja, die aus dem Balkonkasten) zur auf der Haut gebratenem Müritzforelle mit Safran-Blumenkohl. Auch die Pfifferlingsgraupen zu gebackenem Kalbsbries gerieten gut. Beim Lammkarree mit Saubohnen und gebackenen Kartoffeln überzeugte vor allem die Fleischqualität, mehr Spaß bereitete der Spanferkelrücken vom Saalower Kräuterschwein mit Senfkohl und Sticks aus dem südamerikanischem Quinoa-Korn, das Albrecht mit Gemüsewürfeln ergänzte. Der Weinbergspfirsich als Süppchen mit geeister Schoko/Kaffee-Mousse bildete einen gelungenen Abschluss. Sommelier Matthias Dathan kredenzt etwa 50 deutsche Weine*, ein paar österreichische und legt vor allem die ostdeutschen Winzer kenntnisreich ans Herz seiner Gäste. Wer unkomplizierten Genuss sucht, ist in diesem schlichten, aber herzlichen und gemütlichen Atmosphäre gut aufgehoben.
*Anmerkung unsererseits: Es stehen mindestens 200 Weine in der Karte, davon mehr als 30 Gewächse von Elbe und Saale/Unstrut.
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