von Nikolas Rechenberg, Food-Autor
Wir wunderten uns doch, als wir das brechend volle „Zander“ betraten. Nicht weil das für einen Dienstagabend ungewöhnlich wäre. Aber die Menschen um uns herum erschienen uns für das sonst so junge Szeneviertel doch fortgeschrittenen Alters.
Das „Zander“ am Prenzlauer Berg ist ein freundliches Lokal: Sonnengelbe Wände, farbenfrohe Ölbilder, hübsch eingedeckte Tische und eine kleine Empore im hinteren Teil bilden den Rahmen. Das Restaurant hat inzwischen mit seiner Küche und dem guten Team eine gewisse Bekanntheit erlangt. Da die Spargelzeit gerade begonnen hat, bestellen wir beherzt das Spargelmenü. Der roh marinierte Spargel mit Serranoterrine und Flusskrebsen ist eine gelungene Erfrischung, das Spargelconsommé mit Lachsravioli ebenfalls. Das Spargelrisotto mit sautiertem Kalbsbries hatte die perfekte, cremig-bissfeste Konsistenz. Der Spargel war jeweils perfekt auf den Punkt gegart, das Bries war allerdings ein wenig gummiartig. Nach den gelungenen Startern konnte ausgerechnet der Hauptgang, ein Filet vom schwarzen Heilbutt auf Spargelragout mit lilafarbenen Kartoffeln, daran nicht anschließen. Zwar hatte der Heilbutt eine gute Qualität und war auf dem Punkt. Aber er war mit einer süßlich klebrigen Asia-Chilisauce zugekleistert, so dass er keinen Spaß mehr machte. Diese Chilisauce wird derzeit leider zu oft in der Gastronomie verwendet – ein neuer Unfug junger Küchen, nachdem das furchtbare Trüffelöl nach Jahren exzessiven Gebrauchs so gut wie verschwunden ist. Hier will der quirlige Koch Sven Albrecht einfach zu viel auf einmal. Schade, er sollte sich auf die Qualität seiner eingesetzten Produkte verlassen. Drei Gänge kosten im „Zander“ 33 Euro, vier Gänge 40 und fünf Gänge 46 Euro. Wer à la carte essen möchte, findet Frühlingssalate mit geschmorter Tomate, gerösteten Kernen und Honig-Blasamico-Dressing (7 Euro) oder ein saftiges Blutwurstrisotto mit Topinamburchips und Speckschaum (12 Euro). Auf der Weinkarte gibt es wunderbare deutsche Gewächse zu äußerst fair kalkulierten Preisen. Erfreulich viele davon aus Ostdeutschland, liebevoll ausgesucht von Sommelier Matthias Dathan, der bereits die Karte im „Brandenburger Hof“ ganz auf heimische Weine umstellte. So war es kein Wunder, dass der empfohlene Grauburgunder R trocken von Zimmerling aus Sachsen – mein absoluter Lieblingswinzer aus dem Osten Deutschlands – ein Genuss war und auch perfekt mit dem Spargelmenü harmonierte (32 Euro). Bei der Auswahl der Weine behilflich ist der Weinladen Schmidt, der direkt nebenan sein Geschäft hat, eines der schönsten der Stadt mit guter Auswahl an deutschen und österreichischen Gewächsen, Gewürzen und Schokoladen. Zander Kollwitzstraße 50, Tel. 44 05 76 78, www.zander-restaurant.de
Öffnungszeiten: Di–So ab 18 Uhr Karten: EC Master Plätze: 40
Fazit: Das „Zander“ könnte noch besser sein, wenn es sich auf die feine regionale Küche konzentrieren würde und sich der Koch nicht mit Spielereien ablenken würde. Unter dem Motto „Currywurst & Schampus“ bieten die Albrechts auf den Wochenmärkten am Hackeschen Markt (Do) und auf dem Kollwitzplatz (Sa) eine witzige Vorstellung mit hausgemachtem Ketchup, Pommes Frites und Würstchen von bester Qualität.
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